„No risk, no fun“

Interview mit Ing. Matthias Mayer, Geschäftsführer TAT-Technom-Antriebstechnik GmbH

Ing. Matthias Mayer, TAT-Geschäftsführer © TAT/Erwin Wimmer
Ing. Matthias Mayer, TAT-Geschäftsführer © TAT/Erwin Wimmer
Die TAT-Experten präsentierten Produkte aus der Automatisierungstechnik auf der Messe SMART. © TAT
Die TAT-Experten präsentierten Produkte aus der Automatisierungstechnik auf der Messe SMART. © TAT

02.05.2022

Seit ihrer Gründung 1988 hat sich die TAT-Technom-Antriebstechnik GmbH aus Leonding vom technischen Handelsunternehmen zum Komplettanbieter für Antriebs-, Förder- und Systemtechnik sowie Robotik und Automatisierungslösungen entwickelt. Geschäftsführer Matthias Mayer spricht im Interview über die Herausforderungen der Digitalisierung für KMU.

Wie beeinflusst die Digitalisierung Ihr Unternehmen?

Meiner Meinung nach kann sich Digitalisierung auf jedes Unternehmen positiv auswirken, soweit diese auch sinnvoll umgesetzt wurde. Dies gilt auch für mein Unternehmen. Als Vollblut-Techniker ist es mir wichtig, bei jeder Weiterentwicklung von Digitalisierungsmöglichkeiten für Unternehmen möglichst bei den Ersten dabei zu sein. Dieser Anspruch bringt digitale Unternehmen einerseits die Chance auf einen gewissen technologischen Vorsprung gegenüber Mitbewerbern, andererseits aber auch das Risiko von „Kinderkrankheiten“, die einen gerade bei Neuentwicklungen und dessen Integration ins Tagesgeschäft stark fordern können – ganz nach dem Motto „No risk, no fun“.
 

Welche Unternehmensbereiche sind besonders gefordert?

Bei der Einführung von neuen Digitalisierungsprozessen sind so gut wie alle Unternehmensbereiche betroffen, wobei bezüglich Einführung, Installation und nachfolgender Begleitung speziell unser IT-Bereich besonders gefordert wird. Wir haben daher bereits vor Jahren diesen Bereich etwas breiter aufgestellt, um eine möglichst hohe Systemsicherheit zu gewährleisten. Server- und Netzwerkthemen werden von einem externen IT-System-Dienstleister betreut und überwacht. Für die Installationen und Anwenderbetreuung haben wir einen hausinternen IT-Support. Zusätzlich übernehmen Key-User aus den jeweiligen Anwenderbereichen Aufgaben, z. B. bei der Integration unseres ERP-Softwaresystems, und fungieren auch als Ansprechpartner für Kollegen.
 

Gibt es Besonderheiten in Ihrem Geschäftsfeld?

Der Fachkräftemangel ist in der Technikbranche sicherlich KEINE Besonderheit, aber er prägt und hemmt mögliche – und vor allem technische – Weiterentwicklungen auf einem gleichbleibenden Niveau. Eine Möglichkeit, dies etwas zu entschärfen und teilweise zu kompensieren, sehe ich in einem verstärkten Einsatz von Digitalisierung in Unternehmen. So kann die Effizienz, Flexibilität aber auch Stabilität von Prozessen gesichert werden. Eines kann damit aber nicht kompensiert werden: die individuellen, kundenspezifischen Ausarbeitungen von technischen Lösungen und die persönliche Kundenberatung durch qualifizierte Techniker. Ich bin davon überzeugt, dass jede Weiterentwicklung nur mit einem gesunden Mix aus „Mensch und Digitalisierung“ möglich ist bzw. auch weiterhin sein wird. Mit der Einbindung von Start-ups und Studierenden bei Neu- und Weiterentwicklungen von Projekten – wozu ein sicherer und stabiler Datenaustausch notwendig ist – wollen wir schneller, moderner und zukunftsorientierter sein. So machen wir auch mögliches qualifiziertes Fachpersonal auf unser Unternehmen aufmerksam und für ihre berufliche Zukunft interessant.
 

Welche Maßnahmen haben Sie bereits umgesetzt?

In unserem Basis-Produktbereich Antriebstechnik, den wir seit über 30 Jahren erfolgreich aufgebaut haben und ständig weiterentwickeln, arbeiten wir bereits seit Längerem auf einem hohen Digitalisierungslevel – sowohl intern als auch extern. Mit unserem bestens eingeführten ERP-System AP+ von Asseco decken wir sämtliche Aufgaben von der Anfrage bis zur Auslieferung unserer Geschäftsprozesse digital ab. Weiters versuchen wir, die digitale Anbindung zu unseren Kunden, Lieferanten und Speditionen, soweit diese angeboten werden, zu nutzen und in unser internes Netz zu implementieren. Aber auch im Produktsortiment schreitet die Digitalisierung voran. Unter anderem gibt es bereits digitalisierte Antriebskomponenten wie Getriebe, die mit Sensoren für die bessere Überwachung und Wartung ausgestattet werden. Vor einigen Jahren haben wir mit der Erweiterung unseres Portfolios mit kollaborativen Robotern (Cobots) Schritte für die digitale Zukunft gesetzt.
 

Wohin geht in Ihrem Unternehmen die Reise?

Um die Bedürfnisse unserer Kunden noch besser abzudecken, setzen wir nun mit der Fusion der Produktbereiche Systemtechnik und Robotik unseren Fokus verstärkt auf die Automatisierung von manuellen Abläufen. Die organisatorische Zusammenführung dieser bisher getrennt geführten Units zu einem neu aufgestellten Geschäftsbereich stellt uns vor eine neue digitale Herausforderung. Diese Umstellung ist von den klassischen Attributen der Digitalisierung getrieben: Flexibilität, Schnittstellenreduzierung und Prozesssicherheit sowie Effizienzsteigerung und Produktivität – bei gleichzeitiger Kostenreduzierung. Damit ist der nächste Schritt für die notwendige vertiefte Einführung und den Ausbau der vorhandenen Digitalisierung vorgegeben: ein umfassendes Digitalisierungskonzept. Gemeinsam mit unserem ERP-Partner und unseren Key-Usern wurde dazu bereits eine Potenzialanalyse durchgeführt, um eine optimierte Umsetzung unserer geplanten Umstrukturierung sicherzustellen. Dieses Projekt ist für mich ein klassisches Beispiel, wohin die Reise künftig gehen wird: Die ständige digitale Weiterentwicklung im eigenen Unternehmen, um die komplexer werdenden Kundenanforderungen lösungsorientierter, flexibler – Stichwort: bis Losgröße 1 – und doch immer kostenoptimierter anbieten und umsetzen zu können. Deshalb ist Digitalisierung auch von ALLEN gewünscht und notwendig, um im immer globaler werdenden Wirtschaftsmarkt bestehen zu können.

 

Motion Driven by Engineers

Seit ihrer Gründung 1988 steht die TAT-Technom-Antriebstechnik GmbH für kompetente Beratung und erstklassige Produktqualität. In den vergangenen Jahren hat sich das Unternehmen mit Sitz in Leonding (OÖ) vom technischen Handelsunternehmen zum Komplettanbieter für Antriebs-, Förder- und Systemtechnik sowie Robotik & Automatisierungslösungen, entwickelt. Mit Know-how und Leidenschaft bieten 35 Mitarbeiter:innen – in Zusammenarbeit mit einem großen internationalen Lieferantenpool – ihren Kund:innen stets die wirtschaftlich und technologisch richtige Lösung an.

www.tat.at


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