Additive Fertigung – eine Produktionstechnologie mit Zukunftspotenzial

FH-Prof. Dr. Ing. Aziz Huskic, Professor an der FH Wels © cityfoto/Roland Pelzl
FH-Prof. Dr. Ing. Aziz Huskic, Professor an der FH Wels © cityfoto/Roland Pelzl
Dipl.-Ing. Mag. Dr. Johannes Gartner, Vorstandsmitglied der AM Austria, Ass.-Professor am Institut für Innovation Management an der JKU Linz © cityfoto/Roland Pelzl
Dipl.-Ing. Mag. Dr. Johannes Gartner, Vorstandsmitglied der AM Austria, Ass.-Professor am Institut für Innovation Management an der JKU Linz © cityfoto/Roland Pelzl
DI Stefan Seidel, CTO bei Pankl Racing Systems AG © cityfoto/Roland Pelzl
DI Stefan Seidel, CTO bei Pankl Racing Systems AG © cityfoto/Roland Pelzl

07.10.2019

Die Additive Fertigung ist eine Technologie mit enormem Zukunftspotenzial und sie ist dabei, ihr Nischen-Dasein zu verlassen und sich ihren fixen Platz in der industriellen Produktion zu sichern. So der einhellige Tenor beim OÖ Zukunftsforum Technologie & Wirtschaft am 1. Oktober in Linz. Wie der Weg hin zu einer anerkannten Schlüsseltechnologie erfolgreich beschritten werden kann, darüber berichteten Experten in einer eigenen Session zum Thema „Additive Manufacturing“. So viel sei schon vorweggenommen:  Additive Fertigung soll ergänzen, nicht ersetzen.

Eröffnet wurde die spannende Vortragsreihe von Johannes Gartner, Vorstandsmitglied der AM Austria und Assistenzprofessor an der JKU Linz. Er sieht das perfekte Zusammenspiel von innovativen Produkten, passenden Services und der richtigen Bedienung durch den Menschen als wesentlich, um die Additive Fertigung raus aus der Nische und hin zu einer anerkannten Schlüsseltechnologie zu führen.

Standort Österreich hat enormes Potenzial

Zahlen aus dem Wohlers Report 2019 bestätigen der Additiven Fertigung weltweit einen boomenden Markt. Davon könne laut Gartner auch der Wirtschaftsstandort Österreich profitieren. Wie die Ergebnisse einer Studie der JKU Linz zum Thema „Additive Fertigung – Potenziale für den Standort Österreich“ belegen, ist Österreichs Basis für eine erstklassige Positionierung in diesem Sektor im internationalen Vergleich extrem gut. Um Österreich zu einem innovativen Vorreiter im Bereich Additive Manufacturing auszubauen, sei es wichtig, dass Unternehmen – angefangen von Materialanbietern über Anlagenhersteller und Designer bis hin zu Endanwendern – sich gut vernetzen und ihre Erfahrungen mit Additiver Fertigung untereinander austauschen.

Forschungskompetenz in OÖ sehr hoch

Oberösterreich verfügt mit verschiedensten Instituten und Forschungseinrichtungen über eine hohe Kompetenz in Sachen Additiver Fertigung. Dies zeigten Kurzimpulse von Vertretern der Fachhochschule Oberösterreich, der Johannes Kepler Universität, Profactor und dem Kompetenzzentrum Holz wood K plus auf. Über die Rolle Additiver Fertigung bei der Herstellung von Metallteilen sprach Aziz Huskic, Professor für Production Engineering and Metal Forming an der FH Wels. Er sieht den 3D-Druck hier als wertvolle Ergänzung zu herkömmlichen Fertigungsmethoden und nicht als Ersatz. „Wo konventionelle Fertigungsverfahren an ihre Grenzen stoßen, kann die Additive Fertigung ihre Stärken ausspielen“, weiß Huskic.

Zoltan Major, Leiter des Instituts für Polymer Product Engineering an der JKU Linz, zeigte sehr eindrucksvoll auf, wie individuell und nutzerorientiert mittels partizipatorischem Design beispielsweise Kunststoffmaterialien gedruckt werden können. Einen wesentlichen Vorteil der Additiven Fertigung sieht er außerdem in der Topologieoptimierung mit positiven Auswirkungen beispielsweise für den Leichtbau.

Daniel Fechtig, Leiter des Bereichs Functional Surfaces and Nanostructures bei der Profactor GmbH, berichtete über aktuelle Entwicklungen in der Additiven Fertigung von elektronischen und optischen Bauteilen und dass unter Nutzung von 3D-Druckverfahren eine Funktionalisierung von Bauteilen möglich ist. Die Beispiele reichen dabei von gedruckten LED-Lampen bis hin zu einem fast ausschließlich gedruckten Roboter.

Abschließend referierte Andreas Haider von Wood K plus über biobasierte Materialien in der Additiven Fertigung, die eine sinnvolle Ergänzung zu herkömmlichen Materialien sein können.

Unbegrenzte Anwendungsmöglichkeiten in der Praxis

In Teil zwei der Session ging es vorwiegend um die unterschiedlichen Anwendungen in der Praxis. Spannende Inputs dazu lieferte unter anderem Markus Kaltenbrunner, Geschäftsführer der EVO-tech GmbH. Sein Rat an alle, für die Additive Fertigung noch Neuland ist: Mit einfachen Bauteilen beginnen! Hat man aber mal den Weg in den 3D-Druck gefunden, eröffnen sich einem nahezu unbegrenzte Anwendungsmöglichkeiten.

Über Visionen im industriellen 3D-Druck berichtete Edmar Allitsch von AM Ventures/EOS. Laut seinen Erfahrungen ist die Additive Fertigung ein Digitalisierungstreiber entlang der gesamten Wertschöpfungskette, die die Individualisierung von Großserien genauso ermöglicht wie Ersatzteile „on demand“. Herausforderungen für die Zukunft sieht Allitsch vor allem in der weiteren Reduzierung der Fertigungszeiten als auch in der Bewusstseinsbildung, um Anwendungen weiter zu erhöhen.

Experten ausbilden

Als größte Herausforderung in der Additiven Fertigung sieht Stefan Seidl von Pankl Racing Systems die Ausbildung von Experten in diesem Bereich. Um die Möglichkeiten der Additiven Fertigung voll ausschöpfen zu können, braucht es nicht nur passende Maschinen und Prozesse. „Unternehmen können nur dann von Additiver Fertigung profitieren, wenn sie auch Experten und Spezialisten haben, die diese Technologie beherrschen“, appelliert er an die Teilnehmer. „Gibt es künftig mehr Experten in diesem Bereich, wird sich die Additive Fertigung schon bald zu einer Schlüsseltechnologie entwickeln“, ist Seidl überzeugt.

 

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